Patientenmerkblatt: Was ist Akupunktur?
(nach einem Text von Beate Strittmatter "Störfelder in der Naturheilkundlichen Praxis Hippokrates"
Die Reizung von Akupunkturpunkten stellt die älteste und
Weitverbreitteste Heilmethode der Welt dar. Durch Einstiche mit Nadeln
an genau festgelegten Punkten der Haut können Störungen im
Körperinneren beseitigt oder gelindert werden. Diese Punkte liegen alle
auf Leitlinien, die man als Meridiane bezeichnet. In diesen Meridianen
kreist nach altchinesischer Auffassung die so genannte Lebensenergie
mit ihren Anteilen Yin und Yang. Diese beiden lebenserhaltenden Kräfte
sind im Körper gleichzeitig, jedoch als Gegenpole wirksam. Ihr völliges
Gleichgewicht im Organismus stellt den idealen Gesundheitszustand dar.
Ein Ungleichgewicht führt auf Dauer zu Krankheit.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, auf die Akupunkturpunkte
einzuwirken. Sticht man Nadeln in sie ein, so bezeichnet man dies als
Akupunktur, außerdem kann man sie auch durch Wärme (Moxibustion),
Ultraschall, Laserstrahlen, Unterwassermassagestrahl oder auch mit
einem Stift (Akupressur) stimulieren.
Betrachtet man die Meridianverläufe, wird klar, warum z. B. eine
Störung der Gallenfunktion zu Kopfschmerzen führen kann: Der Meridian,
der durch den Gallenbereich zieht („Gallenmeridian“), verläuft weiter
zum Kopf. Man kann den Meridian mit einem Wasserschlauch vergleichen:
Wird der Schlauch hinten zugeknotet, kommt am vorderen Ende kein Wasser
mehr an. Ebenso können Kopfschmerzen resultieren, wenn der Energiefluss
im Gallenmeridian durch eine gestörte Gallenfunktion unterbrochen ist.
In diesem Fall wird man zunächst die Störung im Gallenbereich behandeln
müssen, um die Kopfschmerzen zu bekämpfen.
Die meisten Menschen erschrecken bei dem Gedanken, dass Nadeln in
sie eingestochen werden sollen, und das noch möglichst tief. Die
meisten Akupunkteure verursachen jedoch keine Schmerzen, da sie
besonders feine Nadeln verwenden.
Ohrakupunktur
Der französische Arzt Dr. Paul Nogier entdeckte und entwickelte vor
etwa 40 Jahren die Ohrakupunktur. Die Ohroberfläche bildet eine
Reflexzone, auf der alle Organe des Körpers abgebildet sind.
Die Untersuchung der Ohrreflexzonen erlaubt eine genaue Aussage
darüber, wo Schmerzen bestehen oder welche Organe des Körpers bei
unklaren Schmerzen betroffen sind. Außerdem kann man weitere Störungen
im Körper ausfindig machen, die einen Heilungsprozess verzögern oder
sogar ganz verhindern können. Dies sind die so genannten Störherde, die
auf den ersten Blick mit dem eigentlichen Krankheitsgeschehen gar
nichts zu tun haben und von denen der Patient oftmals gar nichts merkt.
Diese Herde können jedoch so negativ auf den Körper wirken, dass er
eher bereit ist, krank zu werden. Auch eine schon bestehende Krankheit
wird daran „gehindert“, auf die üblichen Therapien zu reagieren ù der
Körper wird sie nicht los.
Solche Herde können z. B. tote oder eitrige Zähne sein, chronisch
entzündete Kieferhöhlen, entzündete Mandeln und alle sonstigen
Entzündungen. Außerdem kann jede Narbe zum Störherd werden. Jede Narbe
kann, muss aber nicht stören. Durch die Untersuchung der Ohrreflexzonen
ist es dem Heilpraktiker möglich, genau festzustellen, ob und welche
Narbe zum Störherd geworden ist. Er kann auch feststellen, ob
vielleicht irgendwo im Körper eine Entzündung vorliegt oder eine
Giftbelastung (z. B. Quecksilberbelastung durch Amalgamfüllungen). Eine
solche Herdsuche ist häufig aufwendiger und wird Ihnen vom Therapeuten
vorgeschlagen um evtl. verzögerte Heilungen dennoch zu einem guten
Ergebnis führen zu können.
Die Untersuchung erfolgt durch Messung von Spannungsdifferenzen an
der Ohroberfläche. Es werden die einzelnen Punkte der Organe auf
elektrische Veränderungen geprüft. Die Ohrmuschel ist sozusagen ein
körpereigenes Diagnosezentrum, weil die Korrespondenzpunkte von
Körperteilen und Organen am Ohr nur dann nachweisbar sind, wenn am
fraglichen Organ eine Störung vorliegt. Ist also auf der Ohrmuschel der
Leberpunkt elektrisch verändert, dann bedeutet dies eine Störung im
Bereich der Leber.
Die Behandlung geschieht durch Stechen von Nadeln in die notwendigen
Punkte am Ohr, gegebenenfalls zusätzlich am Körper. Kinder werden
üblicherweise nicht gestochen, sondern mit dem Lasergerät an den
betroffenen Ohrpunkten bestrahlt.
Alle Reize oder Signale, die durch Ohrakupunktur ausgelöst werden,
gelangen über das Zwischenhirn zu den zugehörigen Körperteilen, die
diese Kommandos, eben weil sie vom Gehirn kommen, strikt befolgen. Die
Ohrakupunktur bedient sich also stets der Steuerzentrale des Menschen,
des Gehirns.
Behandelt werden können durch Ohr- und auch durch Körperakupunktur
alle Erkrankungen, die auf eine gestörte (nicht zerstörte)
Organfunktion zurückzuführen sind:
Migräne, Schlaflosigkeit, Depression, Suchtkrankheiten,
Verdauungsprobleme, vegetative Beschwerden, Rheuma, die meisten
Schmerzzustände wie Tennisellenbogen, schmerzhafte Schulter,
Rückenschmerzen, Schulter-Nacken-Schmerzen.
Manche Patienten empfinden sofort Erleichterung, andere brauchen
Tage dazu, etwa vier oder fünf Behandlungen, bevor sie eine Besserung
verspüren. Manche Menschen spüren so etwas wie „schwebende
Leichtigkeit“ nach einer Behandlung, und fast alle fühlen sich danach
sehr entspannt.
Nicht behandelt werden können selbstverständlich zerstörte
Strukturen wie z.B. kariöse Zähne. Auch eine Hüftgelenksarthrose lässt
sich nicht mehr rückgängig machen durch eine Akupunkturbehandlung
können jedoch die Durchblutung des Gelenkes gesteigert und die
Schmerzen beeinflusst werden. Sowenig die Akupunktur Gallen- oder
Nierensteine auflösen kann, sowenig vermag sie Knochenbr³che zu heilen.
Nach einer Operation kann sie jedoch die Schmerzen nehmen. Notfallmäßig
darf akupunktiert werden bei Herzschmerzen, Gallenkoliken,
Nierenkoliken, Zahnschmerzen, Asthmaanfällen, aber nur zusätzlich zur
üblichen schulmedizinischen Behandlung.
Sowohl die Körper- als auch die Ohrakupunktur ist eine wirkungsvolle
Behandlungsform, die, wenn sie richtig durchgeführt wird, keine Risiken
und Nebenwirkungen hat. Sie sollte jedoch ausschließlich in Verbindung
mit einer klinischen Diagnostik erfolgen.
Wenn Sie weitere Fragen haben, werden wir sie gerne beantworten.
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